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Das Leibnizgrab

Die Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis beherbergt die letzte Ruhestätte des großen hannoverschen Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz. Die Aufschrift Ossa Leibnitii („Leibniz´ Gebeine“), deren Lettern in einer an den Altarraum grenzenden Seitennische die Grabstätte markieren, ist gleichsam ein hannoversches Synonym für die Verbundenheit der Stadt mit dem vielseitigen Denker, der ihr als Hofbeamter des Leineschlosses diente.

Der aus Leipzig stammende Leibniz starb am 14. November 1716 siebzigjährig in seinem Domizil in der Schmiedestraße 10, das er seit 1698 bewohnte. Als Hofrat gebührte ihm eine Begräbnisstatt in der Hofkirche. Dort wurde Leibniz zunächst provisorisch beigesetzt, derweil sein Assistent Johann Eckart die offizielle Beerdigung vorbereitete, die am 14. Dezember 1716 begangen wurde. Da Leibniz keine Familie in Hannover, sondern nur entfernte Verwandte bei Leipzig hatte, soll Eckart der einzige persönliche Vertraute gewesen sein, der ihm das letzte Geleit gab. In Hannover war Leibniz nach dem Tod seiner Gönnerin Sophie Charlotte im Jahr 1705 als „Zugereister“ nur noch wenig wohlgelitten, niemand fühlte sich für den vielseitigen Wissenschaftler und Philosophen verantwortlich, sodass sein Grab zunächst keine Beschriftung erhielt. Erst 1790, als der Geniekult die Einstellung der hannoverschen Bürger zu dem großen Mann aus ihrer Mitte und seinem Vermächtnis grundlegend gewandelt hatte, wurde die Gruft mit einer Steinplatte versehen, die bis heute obigen Titel trägt.

Ähnlich der geheimnisumwitterten Geschichte der Gräber von Goethe und Schiller in der Weimarer Fürstengruft gibt es auch zu Leibniz´ Grabstätte diverse Theorien, von denen einige behaupten, Leibniz sei tatsächlich gar nicht an der bewussten Stelle der Neustädter Kirche beigesetzt. Die genaue Position seiner Gebeine sei durch die Gleichgültigkeit des frühen 18. Jahrhunderts, in der man sich noch kaum für seine Ruhestätte interessierte und angeblich nicht einmal der Küster einem interessierten Göttinger Studenten die Stelle weisen konnte, in Vergessenheit geraten.

Erst für das 20. Jahrhundert sind die Wechselfälle der Geschichte des Grabes besser erschlossen. Im Jahr 1902 fand im Rahmen eines Um- und Ausbaus der Neustädter Hof- und Stadtkirche unter der Leitung des Architekten Hermann Schaedtler die erste dokumentierte Öffnung der Gruft seit der Grablegung statt. Ein Prof. Krause aus Berlin begutachtete die im Grab befindlichen Knochen, ordnete sie einwandfrei der überlieferten Physiognomie und Krankengeschichte ihres mutmaßlichen Besitzers zu und ließ Gipsabgüsse des Schädels und der übrigen Gebeine anfertigen.

Aus einem Protokoll der „Anstalt für Germanische Volks- und Rassenkunde in der Gauhauptstadt Hannover“ geht hervor, dass die nächste Öffnung möglicherweise zwischen Ende 1943 und Anfang 1944 stattfand, als die Nationalsozialisten befürchten mussten, das Grab und mit ihm die Überreste dieses „großen Deutschen“ könnten den alliierten Bombenangriffen zum Opfer fallen. Abermals fertigte man, so man dem Dokument trauen kann, mehrere Gipskopien des Schädels an und verteilte diese an hohe Funktionäre, um die Möglichkeit zu wahren, Leibniz als Ahnherrn der eigenen Denkweise zu reklamieren.

Die Ossa Leibnitii hatten nun eine Weile Ruhe, bis sie 1957 im Rahmen der Arbeiten zum Wiederaufbau und der Neueröffnung der Kirche wiederum umgebettet wurden. Es war dieser Akt, bei dem wohl einer der beteiligten Arbeiter eine Bierflasche in der Gruft vergaß, die das kuriose Fundstück der bisher letzten Öffnung im Jahr 1992 darstellte. Die beschriftete Grabplatte wurde damals aufgerichtet und Leibniz´ sterbliche Überreste fanden nach erneuter Beschauung in einem davor platzierten Sandsteinsarkophag ihre (vorerst) letzte Ruhe.

Von April bis Oktober findet die Führung „Leibniz in seiner Zeit“ jeweils samstags ab 14.00 Uhr statt.

Suche nach freiwilligen Mitarbeitern für Führungen am Grab von G.W. Leibniz:

Wir suchen freiwillige Mitarbeiter für Führungen am Grab von G. W. Leibniz in der Neustädter Hof- und Stadtkirche zum Thema „Leibniz in seiner Zeit“ (Inhaltliche Einführung und Schulung erfolgt) jeden Sonnabend ab April 2011 um 14.00 Uhr (Präsenz von 14.00-16.00 Uhr) am Grab in der Kirche, Dauer der Führung: 30 Minuten). 

Kontakt: Pastorin Martina Trauschke
über das Gemeindebüro
Rosmarinhof 3, 30169 Hannover
Telefonnr.: 0511/1 71 39

Erreichbarkeit: Mo., Di., Fr. von 09.00 bis 12.00 Uhr
Do. zusätzlich von 15.00 bis 18.00 Uhr

E-Mail: KG.Hof-Stadtkirche.hannover@evlka.de

Fax-Nr.: 0511/1 69 70 58

 


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